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Meine Zeit steht in deinen Händen

Andacht zum Wochenstart von Pastorin Dr. Heidrun Gunkel

Ich steige in den Zug, freue mich über meinen freien „Stammplatz“, verstaue den Mantel in der Ablage. Dann richte ich meinen Blick auf die Tafel mit der roten Leuchtschrift: 19:03h - Zugabfahrt. 

Die Fahrt beginnt. Freie Zeit - selten und kostbar angesichts voller Terminkalender. Geschenkt – wie die gesamte Lebenszeit. Was will ich aus ihr machen? Ausruhen und Kraft tanken, oder doch die „Zeit nutzen“ und mich der To-do-Liste widmen? Die Möglichkeiten sind vielfältig. Aber ich muss mich entscheiden. Ehe ich mich versehe, zeigt die Anzeigetafel 19:10h.

Immer wieder fasziniert mich das bunte Bild der Mitfahrer. Einige sind in ihre Smartphones vertieft. Menschengruppen, die offenbar einen angenehmen Tag zusammen verbrachten, haben ihren Spaß. Müde Gesichter mischen sich unter die munteren. Wohin gehöre ich? 

19:23h blinkt es in roter Leuchtschrift über mir – erster Halt. Das Personenkarussell dreht sich. Man ist nicht immer mit allen zusammen unterwegs. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen.

Plötzlich wechselt die Leuchtschrift in den Durchlaufmodus: „Die Weiterfahrt des Zuges verzögert sich auf unbestimmte Zeit.“ Nicht alles liegt in meiner Hand. Wie oft habe ich das schon erlebt, dass der Zug nicht wie geplant vorankommt?! Und das ist im Leben an anderen Stellen manchmal genauso. Muss man deshalb unruhig werden? Vielleicht ist es das Wichtigste, mit der Veränderung kreativ umzugehen. Z.B. ein gutes Gespräch mit dem mir schräg gegenübersitzenden Mitfahrer zu führen. Oder den Zug an einem anderen Haltepunkt als dem eigentlich vorgesehenen zu verlassen.

19:55h - Der Zug rollt an, die Fahrt geht weiter. Am besten ist die Fahrt des Lebens doch mit ein bisschen von allem, auch mit dem Unerwarteten! Meine Zeit, Gott, steht in deinen Händen.